Hi Sportskameraden,

 

 

 

Bei der Anfahrt ins Bühlertal sah es recht Nass aus, jedoch wehte ein Wind, genauer es waren Sturmböen, die die Wolken am Regnen hinderten.

Ich hatte ja den Test mit meinem Material geplant. Ich habe mein Bike auf unter 8kg abgespeckt. Dazu gehörten auch die Alu Bremsscheiben hinten und vorne. Beim Warmfahren bin ich dann schon mal ein Stück die Strecke rauf. Es waren die steilsten Stücke und die musste ich ja auch wieder runter. Da habe ich meine hintere Scheibe wohl etwas zu heis gefahren auf jedem Fall hat die nach der Abfahrt geschliffen.
Ich habe dann am Auto noch mal ausgerichtet und die Beläge ganz zurück gedrückt und hinten nicht mehr gebremst, dann ging es.
 
Besonders gut Warmgefahren hatte ich mich nicht. Aber was soll's, auf die Plätze fertig los.
Ich fuhr immer versteckt hinter den ersten her um nicht gleich schon im Wind zu stehen. Bei Kilometer 2 musste ich die Spitze ziehen lassen. Ich fuhr und fuhr, aber mein Kopf will zur Zeit einfach nicht. Ich bin zur Zeit nicht bereit mich bis aufs letzte zu quälen.
Ich habe etwas rausgenommen, trotzdem konnte ich Gedanken wie "was soll das, für was, hör auf und gehe Kaffee trinken etc."  nicht unterdrücken, ich denke Ihr kennt das.
 
Es kam jedoch niemand von hinten bis km 8, dann kam  einer zu mir aufgefahren und ich dachte einfach dranhängen und evtl. oben vor dem Ziel wieder überholen.
 
Nach einiger Zeit kam von hinten ein Trikot das ich kannte. Mein Teamkollege Heiner. Ich dachte: wow, der ist heut drauf. Beim Vorbeifahren rief er "komm mit" ich dachte nein das ist zu schnell. Ich sah dann aber als er ca. 100m weg war er kommt auch nicht weiter weg. Ich dachte, wie soll ich  Zuhause mein Trainingsaufwand weiterhin rechtfertig, wenn ich nicht zumindest mit Heiner ankommen.
Also musste ich nun quälen und es ging auch. Ich fuhr zu Heiner auf und dann bei Ihm mit. Es war der Beweis Es geht wenn ich will oder wollen muss. Muskulär war es möglich.  Ca. 2km vor dem Ziel hat Heiner das Tempo noch mal forciert ich trampelte einfach alles mit. Er zog noch mal an, ich dachte er gibt alles um mich jetzt abzuschütteln, ich trampelte zwar im roten Bereich aber ich trampelte mit, bis er wieder auf eine etwas humanere Schlagzahl herunterging und da war der Zeitpunkt an dem ich wusste jetzt noch mal die Moral aufbringen und eins draufsetzen, dann kann ich wegfahren. Also nun musste ich alles rausquetschen und quälen, ich fuhr Maximalbereich und wusste wenn er jetzt mitgehen kann komme ich nicht vor ihm ins Ziel. Aber es war wie ich mir ausgerechnet hatte, er konnte bei meinem Angriff nicht mehr dagegen halten.
Ich quetschte bis ins Ziel noch mal alles aus mir raus.
 
Ich hatte also dass was ich wollte, aus dem Alltagstrott heraus, im Wettkampf im EB gefordert zu werden und noch etwas mehr als man eigentlich bereit ist zu quälen. 
 
So richtig Spaß macht dabei nur wenn der Schmerz nachlässt.
Alles andere ist bei einem Bergzeitfahren nicht wirklich toll. Der Kampf brachte auser Trainingseffekt und erfolgreichem Materialtest den Rang 5 für mich und Rang 6 für Heiner bei den Fun Senioren.
 
Heiner ist Bärenstark gefahren! Ohne mein leichtes Bike hätte ich wohl etwas Probleme gehabt.
 
Gruß
Tilo