Bericht vom 29. Rucksacklauf über 100 KM  von Schonach nach Multen am 18.02.06.

 

 

 

 

 

Von den 160 auf der Langstrecke gemeldeten Teilnehmern erreichten 54 das Ziel in Multen. Die restlichen beendeten bereites nach 60 KM in Hinterzarten das Rennen oder gaben auf.

 

Für die 100 ( 106 ) KM benötigte ich 9:37 Stunden und kam damit auf den 35 Rang in der Gesamtwertung. In der Teilnehmerstärksten Altersklasse H 41 erzielte ich den 18. Rang.

Das Wichtigste ist jedoch, dass ich den 100 KM Rucksacklauf bei diesen extremen Bedingungen beenden konnte und es auch noch Spaß gemacht hat.

 

Vielen Dank an meine Frau Vroni, die mich bei diesem Abenteuer in der Vorbereitung und während des Wettkampfes unterstützt hat.

 

Weitere Info unter : http://www.fernskiwanderweg.de

 

 

Material

Am Samstag den 18.02.2006 klingelte bereits schon um 4:00 Uhr Morgens der Wecker.

Laut Wetterbericht sollte es Sturm und Niederschläge bei Temperaturen von + 1 bis – 2 Grad geben. Auch das  Streckenprofil, niederster Punkt Start in Schonach auf 870 Metern, höchster Punkt Grüblesattel auf dem Feldberg auf 1421 Metern ließ erahnen, dass sehr unterschiedliche Schneeverhältnisse auf der Strecke herrschten. Um den Wachsproblemen aus dem Wege zu gehen entschloss ich mich nach telefonischer Rücksprache mit Klaus Weiß mit einem Schuppenski zu starten.

 

Anreise

Schon die Fahrt mit dem Auto nach Schonach gestaltet sich als kleine Abenteuer. Über Nacht hatte es 15 cm geschneit. Die Straßen waren noch nicht geräumt und an der Belahner Höhe blockierte ein Querstehender LKW den Verkehr. Mein erster Gedenke war, ob ich bei diesen Straßenverhältnissen roch rechtzeitig zu Start um 7:00 Uhr in Schonach ankomme. Dank großzügiger Zeitplanung erreichte ich gegen 6:00 Uhr Schonach. Als Mädchen für Alles, (Fahrer, Servicemann, Köchin, Fotografin, Psychologin,…..) begleitete mich mein Frau Vroni. Problemlos erhielt ich Startnummer. Beim Eingang in den Vorstart wurde der Rucksack mit 5,2 kg gewogen.

 

Start

Bei heftigen Schneetrieben erfolgte punkt 7:00 Uhr der Startschuss. Die ersten 2,5 KM führten steil Bergauf. Viele hatten einen zu glatt gewachten Ski und konnten nur im Grätenschritt den Anstieg bewältigen. Mein Schuppenski hingegen gab einen optimalen Halt. Allerdings beunruhigte mich die anfangs hohe Herzfrequenz von über 160 Schlägen.

 

Mehrere kleine Probleme bis KM 35.

Das erste Herzklopfen kam bei KM 15. Bei einer Abfahrt versuchte ich über einen Camelbäck und zog mit den Zähnen das Ventil auf. Dabei löste sich das Ventil vom Schlauch und der halbe Flüssigkeitsinhalt ging verloren. Bei KM 18 gab es durch den Sturm starke Schneeverwehungen die jedoch keine Probleme verursachten. Bei KM 25 nutzte ich die Verpflegungsstelle in Neukirch. Bis KM 30 versuchte ich den Windschatten von kleineren Gruppen zu nutzen. Allerdings lief mein Schuppenski mit einem Allraounflurwachs spürbar langsamer als die Ski meiner Konkurrenten. Ich versuchte Anschluss zu halten was die Pulsfrequenz im Schnitt auf 158 Schläge hielt. Bereits bei KM 35 an der Fernhöhe hatte ich schon deutlich an Kraft verloren. Seitenstiche traten auf. Auch der Magen hatte leichte Probleme was heftiges Aufstoßen zur Folge hatte.

 

Vorteile durch Schuppenski

Ich entschloss mich meinen eigenen Rhythmus zu laufen. Dies hatte den Nachteil, dass ich keinen Windschatten hatte. Bis KM 40 über Waldau, Schweizerhof bis zum Turner konnte ich mich durch die geänderte Taktik wieder stabilisieren. Bei der Teestelle bei KM 40 am Turner verpflegte ich mich nochmals. Beim Anstieg zur Weißtannenhöhe (1190 m ) veränderte sich die Schneebeschaffenheit. Ein Großteil der Läufer mussten mit Spachtel den Schnee von den geklisterten Skiern entfernen und umwachsen. Die Loipe war teilweise komplett verweht. Ab jetzt konnte ich die Vorteile des Schuppenskis genießen. Problemlos konnte ich den Anstieg bewältigen.

 

Abfahrten mit Problemen

Von KM 50 bis KM 60 ging es überwiegend bergab. Bei Sonnenschein und  hohen Temperaturen gab es auf der Südseite des Turners nur noch Sulzschnee. Mein Ski lief sehr schlecht. Beim Bogentreten in den Kurven wurden die Ski so an den Sulzschnee festgesaugt, dass ein Sturtz nach vorne nur noch mit aller Erfahrung zu vermeiden war. Schließlich erreicht ich um 12:00 Uhr nach 5 Stunden Laufzeit und 60 KM Laustrecke  das Skistadion in Hinterzarten. Hier gabelte sich die Strecke. Links heißt den Wettkampf beenden, rechts die restlichen 40 KM bis Multen wählen.

 

Die Entscheidung

Trotz der extremen Bedingungen entschloss ich mich für die 100 KM Strecke. Ich hatte jedoch immer die Worte von Klaus Weiß im Kopf die sagten: „ Ab 60 KM fängt der Wettkampf erst an „. Wie sich später unter der Dusche in Multen herausstellte wählten bei diesen schwierigen Verhältnissen von 160 Gemeldeten Läufern gerade mal 54 die 100 KM Strecke.

 

Auf die restlichen 40 KM neu einstellen.

Ich ließ mir in Hinterzarten erst mal 10 Minuten Zeit um die Ski neu mit Parafinwachs zu präparien. Außerdem wurde der Camelback aufgefüllt und mit  Energieriegel und Banane Energie getankt. Bei strahlendem Sonnenschein führten die folgenden 10 KM gleichmäßig bergauf bis zum Rinken.

 

Vom Wettkampf zum Abenteuerlauf  

Bei Einstieg zum Aufstieg zum Grüblesattel bei KM 70 änderte sich die Charakteristik des Rucksacklaufes komplett. Während ich die ersten 70 KM auf überwiegend maschinell präparierten Loipen unterwegs war erwarteten mich auf dem Aufstieg zum Feldberg – Grüble 3 KM mit 220 Höhenmetern im unpräparierten Tiefschnee. Lediglich eine schmale Spur meiner Vorgänger zeigte mir den Weg. Meine Kleingruppe bestehend aus 4 Personen hatten alle Probleme mit dem Schneestollen an den Ski. Sie mussten umwachsen. Ich war also komplett alleine.

 

In 150 cm tiefen Neuschnee auf den Feldberg

 Auf der getretenen Spur fand man nur sehr schlecht einen Abstoß. Versuche das Gleichgewicht durch den Stockeinsatz zu stabilisieren scheiterten daran, dass der Stock 150 cm bis zum Griff im Tiefschnee versank. An den Spuren war zu erkennen, dass der Ein oder andere auch schon versucht hatte zu Fuß den Feldberg zu erreichen was wegen des tiefen Schnees fast unmöglich war. Ich folgte den Spuren meiner Vorgänger.

 

Orkanartige Windböen, Schneegestöber, schlechte Sicht

Oberhalb der Baumgrenze( Feldberg-Grüble 1420m ) erinnerten mich orkanartige Windböen an die Ironmanweltmeisterschaften von Hawaii. Allerdings war es dort etwas wärmer. Zum Schneefall und Sturm kam jetzt auch noch Nebel hinzu. Holzstangen führten mich zu einem Streckenposten der mit Bergwachthelm, Skibrille, Neoprenmaske und Funkgerät einsam in der unwirklichen Landschaft stand. Hier war ich noch nie und hatte lediglich Holzpfähle als Orientierung. Nun ging es wieder bergab. Ich versuchte über einen Bremspflug die Geschwindigkeit in den Griff zu bekommen.

 

Probleme mit den Kontaktlinsen

Auf dem rechten Auge wurde die Sicht immer schlechter. Durch den konzentrierten Blick ließ ich länger Zeit das Auge offen. Dies führte meiner Meinung dazu, dass die Kontaktlinse bei minus 5 Grad und Sturm anfing anzufrieren. Auf einen Schlag fiel ich ca. 1 Meter tief und landete auf meinem Hintern. Erleichtert stellte ich fest, dass ich wieder auf einer verwehten, aber maschinell präparierten Loipe in Richtung Todtnauer Hütte angekommen war. 3 KM weiter traf ich auf einen Langläufer der mich mit Tee versorgt.

 

Orientierungsprobleme:

Zwischen Todtnauer Hütte und Stüberwasenspur lief ich auf einen Teilnehmer auf. Ich folgte ihm bei dem Schneesturm auf der einzigen noch präparierten Loipe in Richtung Stübenwasen. Wie sich herausstellte ein Fehler mit Folgen. Nach einer Abfahrt von 2 KM  hatten wir das Gefühl, dass wir falsch waren. Wir entschlossen uns umzudrehen um uns an den anderen Läufern zu orientieren.

 

Hilfsbereitschaft führt zu weiteren Problemen.

Nach 5 Minuten Aufstieg trafen wir ein freundliches Langlaufehepaar. Diese machten uns darauf aufmerksam, dass wir in der Falschen Richtung unterwegs waren. Detailliert beschrieben sie uns den Verlauf des Rucksacklaufes so, dass wir Ihnen folgten und die Abfahrt bis zum Skilift Todtnauberg fuhren. Verwundert stellte das hilfsbereite Langlaufpaar fest, dass sie ebenfalls die Orientierung komplett verloren hatten.

 

Niemals aufgeben.

Während mein Leidensgenosse offensichtlich entmutigt in Todtnauberg wartete begann für mich nach 75 KM der ca. 3 KM lange Anstieg mit ca. 200 Höhenmetern zurück auf die Original Rucksacklaufstrecke. Hier erinnerte ich mich an die Worte die mir der Gewinner des Ironman Wettkampfes auf Hawaii , Dave Scott, mitgab.   „ Klaus ! Dur darfst niemals aufgeben „

Diese Zusatzstrecke von ca. 6 KM kostete mich ca. 35 Minuten und jede Menge Kraft. Als ich die Originalstrecke erreichte sah ich Teilnehmer mit Rucksäcken denen ich folgte.

 

Neue Zielsetzung

Meine neue Zielsetzung lautete nun nur noch vor Zielschluss um 17:30 Uhr in Multen anzukommen. Die Platzierung ist jetzt egal. Ab der Baumgrenze ging es wieder an der Stübenwasenhütte auf einer gut präparierten Loipe zum Kontrollpunkt Notschrei.

 

Keine Teestelle bei KM 80

Entgegen der Ausschreibung gab es hier bei KM 80 keine Teestelle. Auch mit meiner Verpflegung wurde es langsam knapp. Auf der Notschreilope hatte ich noch einen kurzen Verpflegungsstopp bei der ich die restlichen Reserven an Gel, Riegel und Weißbrot mit Parmesankäse aufbrauchte.

 

Hilfe durch Idealisten

Bei der Passhöhe „ Wiedener Eck „ wurde ich dann unerwartet von Privatpersonen mit Energieriegel und Tee versorgt. Nochmals vielen Dank an die Unbekannten Sportfreunde. Mir fehlten jetzt gerade noch 5 KM bis ins Ziel in Multen. Allerdings was mach ich nur mit dem Rucksack? Im Ziel muss er ein Mindestgewicht von 3 KM aufweisen.

 

Ist der Rucksack noch schwer genug?

Alleine an Flüssigkeit hatte ich 2,25 kg deponiert die jetzt fehlten. Kurz vor dem Ziel deponierte ich Trinkflasche mit Gürtel im Rucksack und nahm die letzte schnelle Abfahrt von Hohtann bis Multen in Angriff. Hier wurde der Rucksack nur per Hand gewogen und für o.k. betrachtet.

 

Überglücklich stellte ich fest. Jawohl, Du hast den Rucksacklauf über 100 KM erfolgreich beendet.