Die Königsetappe

 

 

C’an Picafort - Sollèr - Fuß Puig Major und zurück

 

194 KM / 2500 HM

 

 

 

Bericht von Oliver General

 

 

 

 

 

Am Abend des 3. Mai 2008 setzte sich der „Professor“ an meinen Tisch und sprach mich aufs Radfahren an, da ich angeblich wie ein Biker aussehen würde. Da es nicht wirklich schwer ist, sich mit Meister Loder zu verständigen, einigten wir uns sehr schnell auf das gemeinsame Absolvieren einiger Radetappen einschließlich einer so genannten „Königsetappe“ zum Coll de Sollér (~590 m) und weiter zum Fuße des Puig Major (~900 m). Diese Etappe sollte insgesamt ca. 143 km und in etwa 1.800 hm beinhalten und Dank der technischen Versiertheit all der elektronischen Gerätschaften sowie die des „Professors“ sollten auf der Etappe nicht nur die erwähnten 2 Berge überfahren, sondern auch herrliche Ortschaften auf wunderbaren kleinen Nebenstraßen durchfahren werden.

 

Am entsprechenden Tag trafen wir uns um 10.30 Uhr vor dem Hotel. Doch als ich die Oberschenkel des „Professors“ sah, wurde mir schnell klar, dass dies für mich ein äußerst schweißtreibender Tag werden würde. Dass dieser Tag aber in Sachen Anstrengung viel mehr bieten würde als ich zu erahnen wagte, war mir zu diesem „frühen“ Zeitpunkt noch nicht klar: Es sollte alles etwas anders kommen als gedacht war.

 

Das Wetter war topp: strahlend blauer Himmel, zwischen 24°C und 26°C warm, vielleicht ein bisschen zu schwül und nur wenig Wind. Das GPS lotste uns auf nahezu traumhaften Pfaden, Wegen und Straßen parallel unterhalb der Tramuntana-Gebirgszuges durch Ortschaften wie Muro, LLubi, Sencelles, Biniali, Bunyola etc. Schon auf den ersten welligen Kilometern brachte der Professor ordentlich Druck auf die Pedale, so dass es für mich schon hier schwer war, zu folgen, das funktionierte nur mit ausreichend langem Windschattenfahren.

 

Nach ein paar Stunden kam der erste Anstieg zum Coll de Sollér. Als passionierter Mountainbiker mit wenig Gewicht, großem Hebelarm und gerne kleinen Gängen gelang es mir, recht fix oben zu sein, hatte sogar noch ein bisschen Zeit, die Digi-Kamera heraus zu holen und den „Professor“ ins rechte Licht zu rücken (*lol)!

 

Nach unserer Foto- und Kurz-Video-Action kam eine wunderschöne Abfahrt in Richtung Sollér: Viele enge Kurven auf nicht ganz einfachem Asphalt forderten höchste Konzentration. Dennoch drohte das Hinterrad des Cucuma vom „Professor“ einmal ernsthaft weg zu rutschen, aber Dank der Fahrkünste des Herrn Loder war alles wieder schnell gerettet.

In Sollér erfolgte dann eine kleine stärkende Pause bei Espresso, Kuchen und Cola, denn der Anstieg zum Fuße des Puig Major stand noch an.

 Der erste Anstieg wies eine durchschnittliche Steigung von 5,6% auf, das lag mir, meinen Beinen und meiner Compact-Kurbel am Leih-Specialized-AllezComp-Bike. Der Anstieg zum Puig Major wies jedoch durchschnittlich 1,2% Steigung mehr auf. Hier fehlte mir und meinen Spargeltarzan-Beinchen schließlich das kleine Kettenblatt, so dass ich mich mal wieder an das Hinterrad des „Professors“ klemmte und krampfhaft versuchte, dieses nicht aus den Augen zu lassen. 2- oder 3-mal musste ich abreißen lassen, kämpfte mich dann aber wieder ran, doch kurz vor der Bergkuppe gab es plötzlich aus der Richtung meines Hinterrades einen lauten Knall:

 

Ein Reifenplatzer!

 

Das Problem war jedoch nicht nur ein defekter Schlauch, sondern vielmehr ein defekter Schlauch und ein defekter Mantel! (sic!) Was Tun? Der „Professor“ wäre nicht der „Professor“, wenn er nicht kongeniale Ideen hätte: Die Verpackung eines PoweBar-Gels und ein Stück Schlauch unter den Riss des Mantels und dann den Ersatzschlauch rein.

 

Gesagt, getan!

 

Es funktionierte, doch immer nur für ein kurzes Stück, denn dann musste der Ersatzschlauch wieder erneut aufgepumpt werden, denn dieser hatte wohl auch irgendwo ein kleines Löchlein (*sch…dreck)! Jetzt hieß es vorsichtig den Berg erklimmen, auf der anderen Seite vorsichtig weiter nach Lluc und das ganze dann mit andauerndem Stopp zum Aufpumpen.

In einer der ersten Abfahrtskurven standen plötzlich 2 Motorradpolizisten vor uns, die wir nach einem Bike-Shop in Lluc ansprachen.

Diese teilten uns mit sehr gebrochenem Englisch mit, dass es in Lluc keinen Bike-Shop gebe, aber in Sollér hätten wir gute Karten. Also wieder rauf und dann wieder runter und zurück dahin wo wir herkamen.

 

Nach nicht enden wollender Abfahrt suchten wir am Stadtrand von Sollér eine Tankstelle auf, wo der freundliche Tankwart uns mit einigen Auskünften weiter helfen konnte! Klaus gab die genannte Anschrift des Bike-Shops ins Garmin ein und schnell fanden wir den Laden.

Aber Oh weh!! Dieser Shop war trotz unzähliger Bikes, de dort herumstanden, nicht wirklich ein Quell der Freude! Also wurden wir 150 Meter zum nächsten Laden gelotst. Aber auch dieser Bike-Shop sollte uns nicht wirklich weiter helfen – und zwischendurch immer wieder mal den Schlauch aufpumpen! Dann, weitere 100 Meter links die Straße rauf, erreichten wir endlich einen richtigen Bike-Shop:

 

2 neue Schläuche und ein neuer Mantel für 34 €!

 

Aber egal, Hauptsache wieder richtig Rennradfahren können, denn es wurde später und später und wir hatten das zusätzliche Problem, dass wir kein Licht dabei hatte, folglich vor Anbruch der Dämmerung wieder im Hotel sein mussten.

 

Eine halbe Stunde später machten wir uns dann wieder auf den Rückweg, der zunächst mit dem Hinweg nahezu identisch war: Nun ging es von der anderen Seite aus hoch zum Coll de Sollér: Von dieser Seite war die Strecke noch schöner als von der anderen!

 

Doch leider beging ich hier den Fehler, dass ich wieder versuchte, zum „Gipfel“ hochzufliegen, was mir zwar gelang, ich aber mit Schmerzen im rechten Knies teuer bezahlte. Und es waren immer noch 60-65 Kilometer bis zurück nach C’an Picafort!

In der „Ebene“ angekommen, übernahm der „Professor“ wieder die Funktion der Lokomotive, und half mir auch noch mit Essen und Trinken aus und steuerte uns zwei fast wie von selbst und ganz nebenbei über herrliche Wege zurück zum Hotel.

 

Dort kamen wir um kurz nach 21.00 Uhr an, gerade passend mit dem Einbruch der Abenddämmerung. Das Personal schickte sich an, den Speisesaal schließen zu wollen, ließ uns ausgehungerten Biker aber dennoch erstmal ans Buffet, so dass die leeren Speicher wieder aufgefüllt werden konnten. Vielen Dank!

 

Alles in allem waren es letztendlich 194 Kilometer bei ca. 2.500 Höhenmetern! Also keine Königsetappe, sondern ein „Höllenritt“ mit immerhin einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 km/h, aber dennoch eine geile „Hölle“!!!

Und, das muss an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich erwähnt werden, ein herzliches Dankeschön an Klaus und Vroni Loder!!!

 

 

 

Oliver General

 

 

Vielen Dank für den lebhaften Bericht an Oliver

 

Gruß Klaus

 

 

 

 

 

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