Thomas Landtwing qualifiziert sich für den Ironman Hawaii

 

 

 

 

 

 

Thomas und Corina beim Ironman Wisconsin

am 09.09.2007

 

 

 

Good job, you looking good!

 

 

Thomas und ich haben ein gemeinsames Ziel! Nein, es ist nicht nur die berühmte Hawaii-Quali. Diese nehmen wir selbstverständlich sehr gerne mit, wenn es sich ergeben sollte. Unser primäres Ziel ist es jeden Ironman auf der Welt einmal gefinisht zu haben.

 

Unsere Ironman Weltumrundung nahm mit dem Wettkampf in Wisconsin ihren Anfang. Warum wir gerade Wisconsin gewählt haben? Eine gute Frage. Es ist der erste Qualifyer für Kona 2008 und wir könnten uns ein ganzes Jahr lang auf Hawaii freuen bzw. uns darauf vorbereiten. Ausserdem sollte uns die wellige Radstrecke als gute Radfahrer besonders liegen.

 

Am Sonntagmorgen nach unserer Ankunft hat sich eine kleine Gruppe bei strahlendem Sonnenschein und feucht heissen Temperaturen gegen 30 Grad aufgemacht die Radstrecke zu besichtigen. Mit dem Rennrad selbstverständlich. Wir wollten ja alle ein Gefühl für die berüchtigten ‘‘Rolling Hills‘‘ erhalten und sehen, ob diese wirklich so hart sind, wie überall geschrieben steht. Gott sei Dank hatte Thomas nach rund 45 Kilometern an seinem Wettkampfrad einen Nippelbruch und wir konnten umdrehen. Diese ständigen Betonplatten geben einem das Gefühl mit platten Reifen unterwegs zu sein und jede Ritze reisst dir fast das Rad entzwei. Die wunderschöne Landschaft mit den ausgedehnten Maisfeldern und den riesigen Kuhherden entschädigte für Vieles. Wären da nicht die bekannten amerikanischen Farm- und Landhäuser sowie die typischen Wohnsiedlungen, wo jedes Häuschen in Reih und Glied steht und alle genau gleich ausschauen, dann könnten wir uns auch irgendwo im Klettgau oder im Zürcher Weinland befinden. Wieder im Hotel angekommen waren sich alle einig; das wird am kommenden Sonntag ein verdammt hartes Stück Arbeit!

 

Am frühen Montagmorgen stand das erste Schwimmtraining auf dem Programm. Unbeschreiblich schön dieser Anblick vom Monona Terrace auf die spiegelblanke Oberfläche des Lake Monona. Wie Milliarden kleinster Diamanten funkelt das Wasser in der aufgehenden Sonne. Traumhaft!

Weniger traumhaft präsentiert sich die Realität beim Näherkommen. Eine stinkende grüne Brühe und darin sollen wir schwimmen….

Na gut, nehmen wir ein paar kräftige Schlucke um den Magen daran zu gewöhnen und ab geht’s. Anmerkung, das Schwimmtraining am Mittwoch hat sich ganz anders präsentiert. Es weht eine kräftige Brise und die Wellen sind ganz schön hoch. Wir wollen den Kurs einmal umschwimmen, wenn ja die Bojen schon gesetzt sind. Die ganze Gruppe stürzt sich also in die wilden Fluten und das Rennen ist eröffnet! Ja ist denn heut schon Raceday?

Ich muss mir einige Male die Brille richten, da diese wieder einmal mit Wasser vollläuft und ab geht die Aufholjagd. Wann kommt denn endlich die erste Wendeboje? Geschafft und der Wind hat glaube ich auch nachgelassen. Auf jeden Fall geht’s auf einmal einfacher. Allerdings ändert sich dieses Gefühl nach rund 150 Metern und der nächsten Wende bereits wieder. Na hoppla, was soll denn das? Mussten wir doch bereits die erste Hälfte gegen die Strömung schwimmen und nun auf dem Rückweg schon wieder. Wo kommt den der Wind her? Die Zeit verrinnt und als ich endlich den Schwimmausstieg erreiche, ist die ganze Gruppe schon weg. Nur Thomas höckelt noch da und wartet auf mich. Mich trifft fast der Schlag; für 1.9 Kilometer brauchte Thomas sage und schreibe 34 und ich sogar ganze 40 Minuten. Super Aussichten für Sonntag. Da wird ja schon die erste Disziplin zum Spiessrutenlauf.

 

Nach dem Frühstück am Montag gings mit vollem Magen zur Laufstreckenbesichtigung in die City. Andrea, unsere Tourguide meinte; wir joggen ganz easy die Strecke ab (Wendepunktstrecke à 21 km, davon liefen wir natürlich nur die erste Hälfte)

Wow, anscheinend alles super Läufer! Für mich ist ein Schnitt von 5.15 nicht wirklich locker, aber das gebe ich natürlich nicht zu. Ausserdem macht mir die feuchte Hitze ganz schön zu schaffen. Die Strecke selber ist aber durchaus sehenswert und lohnt den Blick nach links und rechts. Ein ständiges Auf und ab wie auf der Radstrecke mit drei ganz giftigen Anstiegen im Unigelände.

 

           

                                                                

Am Dienstag fuhren zwei Autos los zur Rad-Streckenbesichtigung. Wir natürlich mit dabei und haben uns zusammen mit zwei anderen dort aussetzen lassen, wo wir am Sonntag gedreht haben. Der Rest genoss die Runde im Auto. Wir aber waren froh auch dieses Stück noch persönlich pedalt zu haben. Gibt es doch noch einige Schlüsselstellen mit steilen Anstiegen und gefährlichen Abfahrten. Zum Dessert dann darf noch der Old Sauk Pass erklommen werden, welcher sich allerdings harmloser zeigte, wie erwartet.

 

Die restlichen Tage verliefen ruhiger. Mal ein kleines Läufchen, noch ein ruhige Radeinheit in den Platzregen und so weiter. Schei…, am Donnerstag kriege ich Schmerzen im Bereich der Ansatzstelle der Ischiocrualen Muskulatur (Beckenbereich), welcher sich bis Samstag immer mehr ausweitet. Ich kann ja nicht mal mehr normal joggen. Das war s dann für mich! Aus der Traum von der Hawaii-Quali schon vor dem Start. Also gilt halt nur noch das Ironmanmotto: finishen und wenn möglich als Daylighter. Was ich dann mit einer Zeit von 11.37 auch knapp geschafft habe. So dann packe ich es halt nächstes Jahr in Südafrika an.

 

Aber lassen wir die Eindrücke am Raceday von Thomas beschreiben, der einen perfekten Tag bei optimalen Bedingungen gehabt hat.

 

Raceday

Der Wecker klingelt um 04:10 Uhr. Aufstehen. Mein Gefühl am Morgen vor dem Wettkampf, eigentlich wie immer, relativ schlecht. Bei unserem Eintreffen in der Frühstückslounge befinden sich schon diverse andere Athleten, von welchen einige sogar schon fast das Frühstück beendet haben! Wann standen die denn wohl auf? Ausnahmsweise konnte ich recht viel essen. Corina hatte da mit dem Essen, natürlich wie vor jedem Rennen, ihre Mühe.

 

05:15 Uhr, wir machen uns auf den Weg zum Bodypainting. Dieses verlief unerwartet schnell und so konnten wir ohne längeres Warten direkt zu unseren Rädern gehen, um die Reifen zu pumpen und den letzten Feinschliff zu tätigen. 06:00 Uhr, alles ist für den Wettkampf bereit. Nun begann das lange Warten auf den Startschuss. Der Start der Profis fand vorgezogen um 06:50 Uhr statt, unserer kurze Zeit später um 07:00 Uhr. Was noch speziell zu erwähnen ist,  dass die Wettkampfrichter am Racebriefing entschieden haben, die Profis starten ohne Neo, alle Agegrouper mit Neo, also sie meinten ganz genau, dass die Agegrouper einen Neo anziehen könnten, wenn sie wollen.

 

06:40 Uhr, Corina und ich befinden uns in erster Reihe bei der Startlinie im Wasser. Es handelte sich in Wisconsin um einen Wasserstart. Vor uns befinden sich nur noch die Profis, die auf ihren Startschuss warteten.

 

 

Schwimmen

 

 07:00 Uhr, Startschuss, das Abenteuer kann endlich beginnen. In den ersten Minuten war mir jedoch gar nicht wohl zumute. So eine Prügelei während eines Schwimmstartes habe ich ja noch nie erlebt. Nach etwa 300 Metern konnte ich mich endlich nach einer ziemlichen Schinderei einordnen und mein Schwimmen durchziehen. Von da weg verlief das Schwimmen problemlos.

 

07:59 Uhr, ich betrete endlich wieder festen Boden und überquere die Zeitnehmermatte beim Schwimmausstieg. Etwas über 59 Minuten. Mit der Schwimmzeit war ich schon mal sehr zufrieden Ich lag so etwa auf meinem persönlich gesteckten Hawaiifahrplan. Wie sich nachher herausstellte, war meine Schwimmzeit ordentlich, da die Amerikaner schnelle Schwimmer sind und ich doch mit der 100. Schwimmzeit aus den Fluten stieg. Des Weiteren waren praktisch die meisten Athleten 5 Minuten über ihrer Schwimmbestzeit. Nur einer unserer Reisegruppe unterbot seine Bestzeit um satte 12 Minuten (53 Minuten, 9. Schwimmzeit Overall) wie das wohl ging? Manche munkelten, dass Ingo nur eine Schwimmrunde absolvierte, was durchaus möglich war. Corina schwamm in 1 Stunde und 6 Minuten den Schwimmparcours und war damit sicher auch zufrieden.

 

Was danach kam, werde ich sicher nicht mehr so schnell vergessen. Nach dem Schwimmausstieg musste ich sofort meinen Neo bis zur Hüfte runterziehen, damit mich die ‘‘Stripper‘‘, so werden sie in Amerika genannt, mich auf eine Matte legen und mir in sekundenschnelle den Neo von der Haut reissen konnten. Danach musste man mit dem Neo in den Händen die ‘‘Helix‘‘ (3 stöckige  Parkhausauffahrt in Wendeltreppenform), zu Fuss versteht sich, hinaufrennen. Angesichts der scharenweise angetretenen Zuschauer war dies nicht sehr anstrengend, obschon meine Pulsuhr da schon 184 anzeigte! Anschliessend lief man beim obersten Parkdeck in die Räumlichkeiten, schnappte seinen Wechselbeutel und musste sich in einem weiteren, natürlich Geschlechter getrennten Raum, umziehen. Hatte man sich korrekt angekleidet, rannte man zum Beginn der Wechselzone, danach weiter zum eigenen Fahrrad. So hatten alle den gleichen Weg zu laufen. Aufgrund meiner Wechselzeit von über 6 Minuten kann man sich als Unbeteiligter in etwa die langen Wege der Wechselzone vorstellen.

 

 

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A:         Schwimmausstieg

B:        Beginn Wechselzone

C:        Ende Wechselzone

D:        Radausfahrt

 

 

Radfahren

 

Radstreckenprofil

 

 

 

So machte ich mich um etwa 08:07 Uhr auf den Radkurs. Bei den zwei Trainingsausfahrten auf der Wettkampfstrecke dachte ich mir noch, dass die Radstrecke eigentlich leichter ist als erwartet. Dies stellt sich jedoch schon nach ein paar Rennkilometern als Irrtum heraus, da das Radfahren im Renntempo sich deutlich anders anfühlt als auf einer Trainingsfahrt, irgendwie anstrengender. So bretterte ich halt wie üblich von Anfang bis zum Schluss im Anschlagtempo die 180 Kilometer durch. Sicher zweifelte ich unterwegs mehrmals daran, ob dies gut gehen würde, da ich ja erst vor 9 Wochen den Ironman Austria doch in guten 09:46 gefinisht habe. Beim Ironman Austria liess ich doch schon ein paar Körner liegen. Corina ja übrigens auch. Na ja dachte ich mir, no risk no fun, und drückte weiter tüchtig in die Pedalen.

Auf den ersten 5 Kilometern standen da immer solche komischen Schilder auf der Strasse, welche mit ‘‘Bumpers‘‘ beschrieben waren. Nach dem ersten Schild wusste ich gleich, um was es sich dabei handelte. Bodenwellen! Und nicht gerade kleine, was man an den herumliegenden Fahrradflaschen sah. P.S. auf den 180 Kilometern verlor ich übrigens insgesamt auch 2 Flaschen und einen Ersatzschlauch, welchen ich gottseidank nicht benötigte. Corina verlor bemerkenswerterweise keine einzige Flasche. Nach etwa 5 Kilometern verliess man die Wettkampfstadt Madison und fuhr auf das wunderschöne Dane County heraus. Da begannen auch die ‘‘rolling hills‘‘, was nicht untertrieben ist. Ich hatte das Gefühl als sei ich auf einer Achterbahnfahrt, bergauf, bergab, bergauf, bergab. So kamen dann satte 1‘800 Höhenmeter zusammen, welche meine Beine gegen Ende schon etwas schwächten. Der starke Gegenwind auf den letzten 25 Kilometern trug sicherlich auch etwas hinzu. Mit der Radzeit von 5 Stunden und 15 Minuten (34. Radzeit Overall) war ich mehr als zufrieden. Corina benötigte in Anbetracht ihrer starken Hüftschmerzen schnelle 5 Stunden und 52 Minuten (381. Radzeit Overall).

 

 

 

Laufen

 

Marathonprofil

 

 

 

In der Wechselzone angekommen fragte ich einen Helfer nach meiner Platzierung. Dieser erwähnte zu meiner Verwunderung, dass ich so zwischen dem 40. und 50. Platz wäre. Wow, dachte ich, der muss sich aber tüchtig verrechnet haben. Um etwa 13:25 Uhr lief ich durch den Torbogen, welcher mich auf die 42.195 km lange Laufstrecke führte. Diese führte durch die Universitätsstadt Madison hindurch, mit zentralem Punkt dem sehenswerten Kapitol. Wie schon in Klagenfurt, wo ich den Marathon in Bestzeit in 3:46 lief, hatte ich auch beim Ironman Wisconsin keinen Einbruch auf der Radstrecke oder eine Krise auf der Marathonstrecke. Nicht einmal die vielbeschriebene ‘‘Wand‘‘ kam vor mich. Der Marathonkurs war dabei alles andere als flach, so läpperten sich auch hier schätzungsweise rund 400 Höhenmeter zusammen. Es waren 2 Laufrunden à 21 km zu absolvieren, wobei ein längerer giftiger Anstieg zu bewältigen war. Die Runde war als Wendepunktstrecke ausgelegt, was mir sehr gefiel, da man Corina, seine Freunde und allfällige Konkurrenten immer im Blickfeld hatte. So geschehen, sah ich etwa 400 Meter vor der Ziellinie einen Altersklassenathleten vor mir, welcher mich etwa bei km 33 überholt hatte. Ich forcierte nochmals mein Lauftempo und lief an ihm rund 200 Meter vor der Finishline vorbei. In der Endrangliste machten es dann 19 Sekunden aus. Was aber noch viel wichtiger war, er wurde AK 8. und ich AK 7. Da es für die Altersklasse 30 – 34 beim Ironman Wisconsin nur 7 Startplätze für Hawaii zu vergeben gab, bedeutete es für mich die direkte Qualifikation für den Ironman Hawaii 2008. Widererwartens konnte ich erneut eine Marathonbestzeit aufstellen. Ich weiss noch heute nicht, wie ich nach dem Anschlag-Radfahren noch 3:38 (122. Laufzeit Overall) laufen konnte!

 

Corina lief den Marathon in 4 Stunden und 27 Minuten und wurde in 11:37:26 AK 14. und 440. Overall, von 2‘209 gestarteten Athleten.

 

Ich war schlussendlich aufgrund eines perfekten Rennens mit 10:03:49 AK 7. und 53. Overall sensationell zufrieden und überglücklich über meine Qualifikation für den Ironman auf Hawaii 2008. Wie schon in Frankfurt, Klagenfurt und Zürich wurden auch hier die Hawaii-Qualifikationszeiten extrem schneller. Im Jahr 2004 ging der letzte AK Platz in der Kategorie 30 – 34 noch mit 10:53 und im Jahr 2006 10:22. Anfangs dachte ich wirklich, dass man in Wisconsin ein ‘‘Schnäppchen‘‘ machen und seine Hawaii-Quali schon früh sicher kann, was ich mittlerweile korrigieren muss. Für eine Hawaii-Quali musste alles stimmen, von A-Z, Glück und etwas Ausdauer gehörte natürlich auch dazu!

 

Nun werden Corina und ich nächstes Jahr am 13. April noch den Ironman South Africa in Angriff nehmen, wobei ich hoffe, dass sich Corina dort noch ihren ersehnten Startplatz für Hawaii sichern kann, damit wir im Oktober 2008 gemeinsam an den Start gehen können.

 

 

Unser Fazit, ein harter, aber empfehlenswerter Wettkampf.

 

Thomas und Corina.

 

 

 

Vielen Dank für den tollen Bericht

und herzliche Glückwünsche

 

Mit sportlichen Grüßen

 

Klaus