Tomas Landtwing beim Ironman Hawaii

Sensationelle 9:49:50 Studen

 

Am Schluss resultierte der 224. Overall Platz, AK 30-34, 42.

 

Am Mittwoch, den 01.10.2008, um 08:15 Uhr, starteten Corina und ich das Abenteuer IRONMAN Hawaii 2008 von Merishausen aus. Unser nächster Termin, 11:55 Uhr, Abflug der Maschine United Airlines UA 937 nach Washington. Nach einem zehnstündigen Flug folgte noch ein weiterer fünfstündiger Anschlussflug nach San Francisco, wo wir eine Nacht blieben. Leider kamen wir erst um 21:00 Uhr Ortszeit an, sodass wir von einer Stadtrundfahrt absahen. So kam es dann, dass wir erstmals am Donnerstag, 02.10.2008 um etwa 11:00 Uhr hawaiianischen Boden betreten haben. Glücklicherweise hatte auch unser Gepäck und noch viel wichtiger, unsere Rennräder, den langen Flug zum Triathlonparadies heil überstanden. Nach dem Auspacken und sorgsamen Zusammensetzen unserer beiden Velos fuhren Corina und ich in Richtung Highway Queen-K, um eine erste zweistündige Radeinheit zu absolvieren. Einrollen stand auf dem Programm. Am Schluss resultierte mehr als ein 32er-Schnitt. Naja, das Radfahren geht ja auf Hawaii doch recht gut. Der Anfang war also geschafft. Am darauffolgenden Freitag stand eine 3stündige Radausfahrt mit der Hannes-Hawaii-Gruppe über die Coffeeroad in Richtung Kealakua-Bay mit anschliessendem Schwimmen (3 km) zum Captain- Cook-Denkmal auf dem Programm. Am Abend las ich auf meinem Radcomputer 78 Kilometer und über 1200 Höhenmeter ab. Wusste gar nicht, dass Hawaii so bergig ist…

Am Samstagmorgen, gegen 06:45 Uhr, gingen wir erstmals in der Bucht von Kailua-Kona, also beim Startpunkt des IRONMAN, schwimmen. Für mich fühlte es sich gleichzeitig schön und genugtuend an, das erste Mal auf der originalen Wettkampf-strecke zu schwimmen. Dass neben uns noch zwei Riesenschildkröten planschten, eine mich sogar am Bein berührte, verstärkte meine positiven Gefühle umso mehr. Wie schon in Südafrika fiel uns das Schwimmen im ungewohnten Salzwasser nicht schwer. Nach dem anschliessenden Frühstück mit herrlichem Ausblick (siehe Foto oben) stand dann noch ein einstündiger Lauf auf meinem persönlichen Trainingsprogramm. Wir liefen dem berühmten und unseren Triathlonenthusiasten durchaus bekannten Alii-Drive entlang. Mit nur 2 kleinen Trinkflaschen bewaffnet, lief ich von unserem Hotel aus, dem Royal Kona Resort, bis etwa zum Wendepunkt und zurück, etwa 13-14 Kilometer. Leider wurde der Gatoradestand am Alli-Drive erst am Sonntag aufgebaut, was ich natürlich erst im Nachhinein realisiert hatte. So kam es, dass ich nach der Rückkehr im Hotel innerhalb von nur etwa 20 Minuten rund 1 ½ Liter Cola trank, was meinem Bauch in den nächsten 3 Stunden doch sehr missfiel.

An den darauffolgenden drei Tagen standen noch 2 Radausfahrten vom Wendepunkt in Hawi zurück nach Kona und ein 10 Kilometerlauf ins berüchtigte Energie-Lab auf der Muss-ich-noch-unbedingt- erledigen-Liste. Das waren jeweils 87 Kilometer mit dem Rennrad. Durch das Hannes-Hawaii-Tours-Team wurden unsere Rennboliden mittels LKW und wir mit dem Bus bis nach Hawi chauffiert bzw. transportiert. Dabei konnte ich erstmals mit den berüchtigten Mumuku-Winden bei Hawi Bekanntschaft machen. Hätte mich dabei am Sonntag nach nur etwa 5 gefahrenen Kilometer schon fast eine Windböe vom Rad gerissen – man sollte eben bei heftigem Seitenwind nicht zur Trinkflasche greifen! Ich glaube, Corina hinter mir erschrak einiges mehr als ich…

Am Mittwoch, es verblieben nur noch 3 Tage bis zum Raceday, unternahmen Corina und ich eine von Hannes Blaschke geführte Inselrundfahrt. Dabei konnten wir in nur einem Tag fast ganz Big Island kennen lernen. Die besagte Rundfahrt begann mit einem ersten Stop nach wenigen Minuten an der Coffeeroad. Dort konnten wir diverse Kaffeesorten degustieren. Zum Kaffee dazu gab‘s noch Maccademia-Ruhm-Törtchen. Von diesen wollte ich aber nicht zu viele essen . Ich sollte ja von der Inselrundfahrt noch etwas mitbekommen. Weiter führte die Fahrt zu einer Bäckerei mit superguten Berlinern und süssem Brot, zum South-Point (dem südlichsten Punkt), zum Black-Sands-Beach (Bild oben links), dem Volcano-Nationalpark (unser Mittagshalt mit All you can eat Buffet), den Akaka-Falls (Bild oben rechts), Japanese-Garden in Hilo, Besuch einer Orchideenfarm (etwas für Frauen) und der riesen-

grossen Parker-Ranch. Summasumarum dauerte die Inselrundfahrt mehr als 12 Stunden, was mein Rücken und die Beine auch gespürt haben. Ideale Wettkampfvorbereitung, dachte ich mir. Am Freitag war es dann für mich schon soweit. Um 14:00 Uhr war in der Wechselzone am Pier von Kailua-Kona Check-In-Zeit. Nochmals alles überprüfen – habe ich auch alles eingepackt, und auch in den richtigen Beutel getan? In der Wettkampfhektik kann so alles passieren, bzw. soll auch schon vorgekommen sein.

Es ist Samstag, der 11. Oktober 2008, 04:10 Uhr. Es ist Raceday. Meine innere Uhr liess mich schon vor dem Wecker erwachen. Eigentlich war ich noch gar nicht so nervös – gutes oder schlechtes Omen? Corina und ich begaben uns zum Frühstücksbuffet, wo ich doch 4 Toaste ass. Schon zur Routine geworden, folgte anschliessend das immer gleiche Ironmanprozedere. Nochmals die Toilette aufsuchen (muss ja kein unnötiges Gewicht herumschleppen), Chip am Bein montieren, Wettkampfkleider anziehen und den 15minütigen Fussmarsch zur Wechselzone antreten. Zuerst erledigte ich das obligatorische Bodymarking (Beschriftung beider Oberarme mit der Startnummer – in diesem Falle 1462). Daraufhin begab ich mich zu meinem Fahrrad, Räder pumpen, Trinkflaschen einsetzen und Powerbar-Gels an das Oberrohr kleben. Nachdem ich Alles etwa 4 Male auf seine Richtigkeit kontrollierte, verliess ich die Wechselzone wieder und übergab Corina die Velopumpe und meine Trainingskleider. Nun hiess es Abschied nehmen. Falls es gut laufen würde, wäre ich ja in 10,5 Stunden wieder bei ihr, was etwa um 17:30 Uhr bedeutet hätte. So stand ich schon um 06:40 Uhr in der Bucht bzw. schwamm im Wasser. Ich positionierte mich anfangs gleich rund 10 Meter hinter dem Profifeld, damit ich deren Start um 06:45 Uhr auch von Nahem sehen konnte.

Um 07:00 Uhr hiess es dann für mich mit einem lauten Donnerschlag – Start! Die Zeit der Bewährung war gekommen. Zum Glück hatte es nur geringen Wellengang, dafür aber eine starke Strömung. Bis zum Wendepunkt beim Katamaran (1.95 km) benötigte ich lediglich 29 Minuten. Beim Rückweg wurde es etwas harziger, 35 Minuten lautete das Endergebnis. Mit 1:04 war ich aber gut in meinem persönlichen Zeitplan. Nach dem Wechsel schnappte ich mir mein Fahrrad, zog nicht sehr professionell ausserhalb der Wechselzone noch meine Radschuhe an und düste los in Richtung Hawi. 5 Stunden 30 Minuten war meine Devise, um noch als Daylightfinisher durchzukommen. Da ich als 528. (AK 70) aus dem Wasser stieg, überholte ich wie schon gewohnt Radfahrer um Radfahrer. Als ich immer wieder auf meinen Tacho blickte, dachte ich, dass mich meine Augen lügen. Ich konnte doch nicht schon um 09:00 Uhr einen Hitzeschock haben? Nach etwa 65 Kilometern hatte ich einen 39.6 Km/h-Schnitt drauf.

Ermöglicht hatte dies der Rückenwind auf den ersten 50 Radkilometern. Dann fingen aber schon die üblen Seiten- und Gegenwinde an zu blasen, was den Schnitt am Schluss auf etwa 35.4 Km/h sinken liess. Von leichten Krämpfen gebeutelt, stieg ich zurück in der Wechselzone als 172. (AK 25) vom Rad. Ich lächelte eigentlich immer etwas über die Fernsehbilder, wenn die Spitzentriathleten in Hawaii vom Rad stiegen und mit einem merkwürdigen Laufstil in Richtung Runbag liefen. Doch mir ging es genau gleich, konnte doch fast nicht mehr rennen. Im Wechselzelt liess ich mir dann rund 7 Minuten Zeit, war schneller auch nicht möglich. Beim Anziehen der Laufsocken zuckte es an sämtlichen Stellen an meinen Beinen. Nach der Verpflegung machte ich mich dann auf den Marathon, dachte aber das wird ein langer Tag werden…

Ich lief halt mal los. Bei guten Voraussetzungen hatte ich mir für eine Meile (1.6 Km) rund 8 Minuten vorgenommen, was einem 5 Minutenschnitt entspricht und einer Marathonzeit von etwa 3:30. Da kam ich dann bei der Meile 1 an und meine Polaruhr berichtete mir erstaunliche 7 Minuten. Wow! Ist für den Beginn schon etwas schnell, folgte aber meiner Devise - was ich habe, das habe ich! Vor lauter Rechnen, also Umrechnen von Meile in Kilometer und dann noch der Schnitt mit der Marathonzeit, hatte ich unterwegs soviel zu tun, dass der Marathon für mich ziemlich schnell vorüber ging. Dass ich bei Spitzentemperaturen von rund 42 Grad Celsius im Energie-Lab doch ne 3 Stunden 27 Minuten laufen konnte, erstaunt mich heute immer noch. Persönliche Rekordzeit, um satte 11 Minuten, und das gerade bei nicht optimalen Bedingungen in Hawaii.

Um 16:49 Uhr war es dann soweit, ich überquerte mit einer sehr zufrieden-stellenden und überraschenden Endzeit von 09:49:50 die Finishline des IRONMAN Hawaii 2008. Am Schluss resultierte der 224. Overall Platz, AK 30-34, 42.

Wie bisher nach jedem IRONMAN genehmigte ich mir nach Fototermin, Massage, Dusche etc. ein wohlver-dientes Steak mit Backed Potato und… Cola natürlich, kein Gatorade. Danach ging es nochmals kurz auf die Finishline zurück.

Nach dem Wettkampf besuchten wir noch für jeweils 2 Tage die Inseln Oahu (Besuch von Pearl-Harbor, Honolulu mit Waikiki-Beach und dem Diamond-Head-Krater) und Kauai (genannt auch The Garden Isle).

1 Paar Turnschuhe: 140 Dollar, 1 T-Shirt: 21 Dollar, IRONMAN Hawaii 2008 - unbezahlbar

 

Vielen Dank an Thomas für den tollen Bericht

Mit sportlichen Grüßen

 

Klaus