Ironman Brasilien von Thomas und Corina

( Fotos folgen noch )

 

 

Wir haben uns riesig auf diesen Event gefreut; Sonne pur, angenehme Temperaturen, eine traumhafte Landschaft und heisses Samba Feeling. So haben wir uns die Insel Florianopolis vorgestellt. Floripa ist die Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarinas im Süden des Landes und soll die entspannteste Stadt Brasiliens sein.

Leider wurden unsere Erwartungen nicht ganz erfüllt; Es war die ganze Woche vor dem Wettkampf regnerisch, kühl und die Strecken sind ganz und gar nicht atemberaubend. Die Radstrecke findet auf einer dreispurigen Autobahn statt und schon die erste Radausfahrt in Florianopolis hat mir den Schweiss auf die Stirn getrieben. Nicht vor Anstrengung, sondern aus lauter Angst überfahren zu werden. Die Autofahrer haben überhaupt keine Rücksicht genommen und sind teilweise nur Zentimeter an uns vorbeigerauscht.

Auch die Laufstrecke bietet keinerlei Attraktionen. So läuft man den Grossteil auf dem Standstreifen der Hauptstrasse neben dem übrigen Strassenverkehr. Abgase juheee... So hat sich bereits nach den ersten Einheiten die Vorfreude auf den Wettkampf verabschiedet.

Wenigstens aufs Schwimmen können wir uns freuen. Der Ozean war glatt wie ein Baby-Popo und angenehm zu schwimmen.

Raceday: Wie immer viel zu früh, haben wir uns mit dem Shuttlebus zur Wechselzone begeben. Das Bodymarking und die Vorbereitungen gingen zügig voran, so dass wir bereits um 06.15 im Startbereich am Strand bereit standen und auf den Startschuss warteten. Wenigstens schien der heutige Tag wärmer zu sein als alle anderen in dieser Woche. Kurz vor dem Start ging endlich das Tageslicht an und wir konnten die Schwimmstrecke das erste Mal live sehen. Aber was soll denn das? Woher kommen plötzlich diese riesen Brecher. Es war doch die ganze Woche spiegelglatt?

Startschuss! Ab geht’s ins kalte Nass. Schon mit der ersten Welle wurde ich arg zurückgeschleudert und habe bereits mehr Wasser geschluckt als gut für mich war. Da war sie auch schon, die altbekannte Panik, einige ruhige Brustarmzüge, gut atmen und dann sollte es doch machbar sein oder soll ich umdrehen und den Tag abhaken? Nein. Reiss dich zusammen und schwimm.

So wie mir ist es noch vielen anderen Athleten ergangen. Die Wellen waren mindestens zwei Meter hoch und gewaltig. Wir haben alle nur die erste und die dritte Boje (6 Meter hoch) gesehen. Die Kleine dazwischen leider nicht und so kam es, dass die Mehrheit der Wettkämpfer in die falsche Richtung schwamm und es hiess, das Ganze wieder zurück. Auch die Markierungen für den Landgang waren unsichtbar und so kamen einige (Thomas auch) im Startbereich aus dem Wasser und mussten gute 400 Meter laufen bis sie sich wieder in die tosenden Fluten stürzen konnten für den nächsten Schleudergang.

Gott sei dank; das Schwimmen ist geschafft. Also rauf aufs Rad und die tolle Strecke unter die Räder genommen. Wenigstens war eine Fahrspur für den übrigen Verkehr gesperrt und wir konnten bei starken Winden die erste Runde in Angriff nehmen. Auf der zweiten hat der Wind dann ein wenig nachgelassen, dafür kam der Regen (Hugo, ich habe mehrmals an dich gedacht, deine Bedingungen). Nach einer für uns beide mieserablen Radzeit schnürten wir die Laufschuhe und nahmen wenig motiviert noch die letzte Disziplin in Angriff. Bei mir ging schon auf den ersten Metern nichts mehr und ich wollte da schon die Wanderschuhe montieren und den Rest spazieren. Nicht viel besser erging es Thomas, der mir bei Kilometer Neun spazierend entgegenkam. Als er mir dann zurief, du bist auf zwei, musste ich mich wohl oder übel nochmals ein wenig anstrengen. Wohl wissend, dass nur wenige Meter hinter mir vier Konkurrentinnen liefen. Dieser kurze Motivationsschub hat aber nicht lange angehalten und so liess ich die Anderen vorbeiziehen. Was soll’s? Hauptsache finishen und so haben wir uns beide ins Ziel gekämpft. Die Stimmung an der Strecke war nur gerade im Start-/Zielbereich einigermassen, ausserhalb war man auf sich alleine gestellt. Es gab leider auch keine heissen Klänge, die ein wenig zur Anfeuerung beigetragen hätte.

So gut haben wir uns nach einem Ironman noch nie gefühlt. Wir konnten sogar noch mit dem Rad nach Hause fahren.

Am Dienstag haben wir die Insel in Richtung Rio verlassen und siehe da, in Brasilien kann es doch noch schön sein! Unser Hotel lag an der weltberühmten Copacabana, so dass es auch nachts möglich war, sich zu fuss zu bewegen und nicht immer auf ein Taxi angewiesen zu sein. Da auch hier die Temperaturen herbstlich waren, fand das Sehen-und-gesehen-werden nicht statt, der Strand war menschenleer. Nur vereinzelt spielten einige Senioren Fussball oder Beachvolleyball. Wir haben es sogar gewagt, dem Zuckerhut und dem Corcovado zu Fuss einen Besuch abzustatten. Natürlich nur bis zu den entsprechenden Sehenswürdigkeiten.

Hatte doch schon James Bond das Vergnügen sich einen halsbrecherischen Kampf mit dem Beisser auf der Gondel vom Gipfel des Pão de Açúcar (der Zuckerhut, das Wahrzeichen der Stadt) zu liefern, liessen wir es gemütlicher angehen und stiegen in die Seilbahn ein. War auch besser, bei diesem Sturm. Vom Zuckerhut aus hat man einen Wahnsinnsblick auf die

Noch fantastischer ist allerdings der Blick vom Corcovado auf 710 müM. Von der berühmten Christusstatue (37 Meter), die 1922 erbaut wurde, kann man ganz Rio sehen. Den Christopherus erreicht man allerdings nur mit der Zahnradbahn. Die Fahrt dauert rund 20 Minuten und geht durch dichtesten Urwald. Vorbei an verschiedenen Botanischen Gärten, die allerdings nicht besichtigt werden können und einigen Kletteraffen.

Liebe Damen, falls ihr eure Gatten nur nach Brasilien begleitet, weil ihr von endlosen Shoppingtouren träumt, vergesst es und bleibt zuhause. Es gibt an den Stränden von Rio keine richtigen Einkaufszentren und das Preisniveau liegt deutlich über demjenigen der Schweiz.

Was unbedingt zu einem Brasilienbesuch gehört, ist die Stippvisite einer Churrascaria. Hier bedient man sich am Salat und Beilagenbüffet. Das Fleisch kommt direkt an den Tisch und zwar auf riesigen Spiessen. Es gibt allerlei vom Rind, Schwein, Lamm und Hühnchen sowie verschiedene Würstchen. Der Kellner schneidet jeweils ein dünnes Stück ab und geht zum nächsten Tisch. Plant unbedingt genügend Zeit ein und geht mit einem guten Hungergefühl dahin. Es lohnt sich!

Nach drei Tagen in Rio haben wir genug und fliegen ins Landesinnere. Besser gesagt ins Dreiländereck; Brasilien-Argentinien-Paraguay. Dort finden sich die tosenden Wasserfälle von Iguaçu. Die grössten Fälle der Welt donnern ein rund 80 Meter hohes Basaltplateau mit bis zu 6500 m3 Wasser pro Sekunde hinunter. Zahlreiche indianische Legenden ranken sich um die Katarakte von Iguaçu. Nach den Vorstellungen der Indianer sind die Fälle das Werk des betrogenen Schlangengottes M’Boi, der sich um die Zuneigung des Indianermädchens Naipi bemühte. Diese zog die Liebe des Sterblichen Tarobá vor. Ihre gemeinsame Flucht auf einem Kanu entlang des Rio Iguaçu vereitelte der Verschmähte mit einem zerstörerischen Schwanzschlag, der die Schlucht entstehen liess, in die sich die Wassermassen bis heute stürzen. Das Liebespaar ertrank in den nunmehr tosenden Fluten des vormals träge dahinfliessenden Flusses. Tarobá verwandelte sich in eine die Fälle überragende Palme, Naipi in einen Fels am Fusse der Fälle - auf alle Ewigkeit verdammt, sich nahe, nicht jedoch nahe genug zu sein. Bei genauem Hinhören kann man noch heute das schallende Hohngelächter M’Bois vernehmen.

So endet eine weitere Reise des Weltenbummler-Paares Thomas und Corina

Wir wünschen euch eine gute Saison!

Thomas & Corina

P.S. wir melden uns im Mai 2010 wieder mit einem Bericht über den IM Utah.